Vom Pazifik über das Rückgrat des Teufels in die Sierra Gorda Teil 3

Aquismón ist ein kleines, beinahe vergessenes Dorf, es gibt eigentlich nichts dort, nur ein einziges Hotel, man könnte auch sagen eine einzige Kaschemme, trotzdem nehmen wir dort Quartier, wir haben keine Wahl und die Zeit für unser Vorhaben drängt, es ist schon 5 Uhr nachmittags, bald wird es dunkel und wir müssen noch hoch auf einen schroffen Berg: die Schwalben werden bald in ihre Höhle, den Sótano de las Golondrinas zurückkehren.

Aquismón, Sótano de las Golondrinas

Im Ort sagte man uns, die Strecke zur Schwalbenhöhle sei  wegen der grottenschlechten Strasse nicht mit den Motorrädern zu schaffen, also mieten wir uns ruck-zuck einen Pick-Up und rattern zur Höhle hoch (na, mit den Töflis hätten wir das auch gepackt!).

Oben am Abhang angekommen steht uns der erste Hammer bevor: um überhaupt an den Rand dieser Mega-Höhle zu kommen müssen wir erstmal 567 (Fünfhundertsiebenundsechzig!!!) Stufen hinab! öha! Mit wackeligen Knien und dem letzten Japser kommen wir gerade noch an bevor es stockdunkel wird. Sicherheitshalber angeleint, wage ich einen scheuen Blick in einen bodenlosen enormen Schlund, mehr als 500 Meter tief!

Blick hinunter in den Sótano de las Golondrinas

Und schon hören wir ein gewaltiges Rauschen, ein Dröhnen, ein Getöse: Millionen Schwalben kehren vom Golf von Mexiko zurück in ihre Höhle, die Luft vibriert, wir sitzen wie elektrisiert! Nach kurzer Zeit wird es ruhig, die Schwalben sind in ihre Nester zur Nachtruhe zurückgekehrt.

José am Sótano

Meine Micky-Maus-Kamera packt dieses nächtliche Spektakel nicht, aber hier wäre ein Video mit all dem Getöse welches die Schwalben und Grünsittiche produzieren, wenn die in die Höhle einfliegen:

Der Führer schlägt uns vor, am nächsten Morgen nochmals zu kommen, bei Morgenlicht sei alles noch gewaltiger. Er hat gut Reden, der Mann – wir waren froh, gut herunter gekommen zu sein, ABER! der Aufstieg über diese 567 Stufen stand uns ja noch bevor!

Wir hangeln uns also wieder hoch, keuchend und schliesslich jubelnd als wir das Ende des Treppenweges erreichten.

Stufenweg zum Sótano de las Golondrinas

Und ich beschliesse spontan, am nächsten Morgen diese Tour nochmals zu machen! Wozu habe ich vor zwanzig Jahren mit dem Rauchen aufgehört, oder?! Also sag ich: aufstehen 5.00 Uhr, mit der Eierschleifmaschine hochgedüst und nochmal den Schwalben zugeschaut. Sagt Barragan: Nö, ist mir zu früh!

Aquismón hat auch abends nichts zu bieten: ausser ein paar Tacos aber wenigstens kaltes Bier gibt’s da nichts. Auch gut.

Am nächsten Morgen, welch Überraschung: el Capitán Barragan himself sitzt frisch und putzmunter auf seiner Maschine und meint „ich mag zwar alt sein, aber fit bin ich!“ Wir brettern also hoch zum Höhleneingang, eiern nochmals die 567 Stufen hinunter und sitzen kurz vor Morgengrauen am Rand der Höhle. Es stimmt, wenn die Vögel morgens aus der Höhle ausschwirren ist das ein mächtiges Erlebnis. Der Lärm von Millionen von Flügeln erinnert fast an das Geräusch startender Flugzeuge!

Und damit meine Leser sich einen besseren Eindruck dieser zweittiefsten Höhle Mexikos machen können, empfehle ich dieses kurze Video (also, wir waren NICHT die Kerles, die sich im Video in diesen abgrundtiefen Schlund stürzen):

Als wir gerade am Eingang der Höhle unsere Motorräder wieder flott machen wollen

Irma am Eingang zum Sótano de las Golondrinas

erzählen uns ein paar Mexikaner, die schon einige Tage in der Gegend Urlaub machten von einem türkisfarbenen Flusslauf und Wasserfall, gar nicht weit weg. Na das hört sich doch super an, da hängen wir glatt noch einen Tag an!

Aber zuerst brauchen wir ein halbwegs vernünftiges Quartier, etwa 5 km weiter finden wir das Hotel Vergel Huasteco. Kann man empfehlen: 590 Pesos (33 Euro) mit Pool und eigenem Parkplatz für die Bikes. Eingecheckt, abgesattelt und sofort ein Taxi für den ganzen Tag gemietet um zum Wasserfall Cascadas de Tamul zu kommen.

Cascadas de Tamul

Man mietet sich dort ein Kanu. Wir mieteten uns ein Kanu + zwei Paddler, 700 Pesos (40 Euro), mag sich zunächst teuer anhören, ist es aber nicht: was die Jungs um dieses Geld paddeln, schieben, ziehen müssen, ist hart!

Wir sehen dieses unbeschreiblich satt-türkise Wasser am Fluss, werfen sofort unsere Klamotten ab, alles was nicht nass werden soll, ins Taxi und ab ins Wasser!

Cascadas de Tamul, frisches Bad

3 km lang geht es bequem und erfrischt flussaufwärts

Cascadas de Tamul, der Fluss

Cascadas de Tamul, im Kanu

dann stossen wir auf Stromschnellen.

Cascadas de Tamul, Stromschnellen

Wir müssen aussteigen und das Kanu ziehen, meinen die Jungs. Barragan meint, dass er sitzen bleibt und die Jungsihm im Kanu da durch ziehen. Das machen die Burschen auch prompt. So ist Mexiko! Schliesslich arbeiten wir uns vor bis zu den Wasserfällen

Cascadas de Tamul, Mike

und geniessen noch das kühle Nass. Auf dem Rückweg fragen uns die Ruderer, ob wir uns durch die Stromschnelll treiben lassen wollen, ja welche Frage, sogar Barragan stürzte sich ins Wasser. In eine kleine Bucht am Fluss schiesst ein kleiner Wasserfall aus dem Berg, da sollen wir uns gaaanz gemütlich reintreiben lassen. Sagten die Jungs. Ja, bei mir klappt das. Barragan kriegt jedoch irgendwie die Kurve nicht, er treibt, und treibt und ist fast schon am anderen Ufer!

Cascadas de tamul, Barragan treibt weg

Ich schwimme nach Leibeskräften, die Jungs paddeln was die Riemen halten und nach einer Viertelstunde haben wir ihn an Land!

Cascadas de Tamul, Barragans Rettung

José ist fix und fertig für den Tag und grummelt, er sei zu alt für so was!

Survived!

Nun waren wir aber lebensrettungsmässig gerade bei diesem kleineren Wasserfall gelandet und einer der Jungs erzählt uns, dass hinter diesem Wasserfall eine Höhle mit einem Höhlensee liegt, 45 Meter aus der Tiefe schiesst da drin das Wasser von unten hoch, durch die Höhlenöffnung im Berg nach aussen…. Und was sagt meine Irma? „Da will ich rein“ sagt sie! Irma? Ins Wasser?

Was soll ich sagen, schaut selbst:

Irma und die Wasserhöhle

8 Gedanken zu “Vom Pazifik über das Rückgrat des Teufels in die Sierra Gorda Teil 3

  1. Mike & Irma.. Que belleza de este lugar por favor no sean egoístas e inviten Hannes es excelente cocinando a las brazas y yo puedo llevar el vino jeje…Utedes son una pareja hermosa, les mando un gran abrazo que este nuevo año venga con toda la buena vibra salud y amor!! Happy 2014 Los quiero Chio!!!

Sagt mir Eure Meinung / Leave a comment / Su opinión cuenta

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s